Vortrag zur Vernissage der Ausstellung „Frieden finden“

 15.Februar 2024 Rathaus Elze

  • Mein Name ist Hanna Barenbrock und ich freue mich sehr, Sie zu meiner   Ausstellung „Frieden finden“ begrüßen zu können.
  • Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Stadt Elze, die diesen Rahmen hier bereitgestellt hat und beim Kunst- und Kulturverein Fundus, als Organisator dieser Ausstellungsreihe. Mein besonderer Dank geht an Martin Rieck für die einleitenden Worte und an Ilse Hurnaus, die mich zu dieser Ausstellung eingeladen hat und einen wichtigen Teil der Organisation übernommen hat.
  • Im folgenden möchte ich zuerst einige Worte zum Titel der Ausstellung sagen und  dann auf den Zusammenhang der Bilder zum Thema Frieden finden eingehen.


Titel der Ausstellung „Frieden finden“

  • Der  Titel der Ausstellung ist nicht nur auf dem Hintergrund der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation entstanden
  • Auch in meiner meine langjährige Tätigkeit als Psychologin und Psychotherapeutin, stand die Lösung von Konflikten im Mittelpunkt. Dies hat auch meine künstlerische Arbeit geprägt.
  • Themen wie Vertrauen, Wertschätzung und Akzeptanz unterschiedlicher Sichtweisen, ziehen sich wie ein roter Faden durch meine berufliche und künstlerische Arbeit. Wenn Sie die Titel der ausgestellten Bilder betrachten, wird Ihnen auffallen, dass Begegnung und Licht mehrfach auftauchen. 
  • Hierbei hat die spirituelle Dimension eine wesentliche Bedeutung. In jedem Menschen ist ein göttlicher Funke, wie Goethe sagte. Diesen göttlichen Kern im Gegenüber zu finden, trägt dazu bei Trennendes zu überwinden und zu einem friedlichen Miteinander zu kommen. 
  • So hat auch eins meiner zuletzt entstandenen Bilder den Titel „Frieden finden“. 


  • Frieden finden, bedeutet für mich, auf die Zu-FRIEDEN-heit im eigenen Inneren zu achten und Gelassenheit zu kultivieren. Achtsam zu sein.  Wie begegnen wir uns selbst und anderen. Wie denken und sprechen wir mit und über andere. 
  • Tragen wir zum Frieden in unserem direkten Umfeld bei. Begegnen wir anderen grundsätzlich friedlich mit Wertschätzung und Güte. 
  • Oder neigen wir dazu im Alltag schnell in den Kampfmodus zu gehen:  etwas zu er- und bekämpfen, sich aufzuregen und verächtlich über andere zu sprechen.
  • In meiner ostfriesischen Heimat, ist eher eine wohlwollende Freundlichkeit und Ruhe verbreitet. Wenn etwas ganz schräg läuft, heißt es dann „Dor wunderst di“ (da wundert man sich) und die gute Tasse Ostfriesen-Tee hilft auch, erst einmal die Ruhe zu bewahren. Oder dann „Dat löppt sik all torecht“ zu sagen.
  • In der Ruhe liegt auch die Kraft etwas gezielt und effektiv zu verändern. Sich für etwas einzusetzen, schafft in der Regel bessere Ergebnisse, als gegen etwas zu kämpfen.
  • Im beruflichen Bereich gab es den Spruch „love it, change it or leave it“ (liebe es, sonst ändere es und wenn das nicht geht, geh aus der Situation heraus). 
  • Und das Gelassenheits-Gebet dazu kennen Sie vielleicht:  „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
  • Oft ist unser kleiner menschliche Verstand viel zu klein, um eine wirkliche Einsicht zu haben, was wirklich gut oder schlecht ist. Viele anfangs scheinbar negative Ereignisse entpuppen sich erst mit einem zeitlichen Abstand, als wahrer Segen, weil dadurch etwas viel besseres möglich wurde. Und „Fehler“ gehören zum Lernen und zur Veränderung dazu. 


Meine Bilder


  • Meine Bestreben ist es, diese Gedanken durch meine Bilder sichtbar zu machen. Es gibt immer mehr als nur eine Sichtweise. Es gibt immer mehrere Möglichkeiten, nie nur ein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als auch.  Gerade in der Malerei wird deutlich, dass Licht und Schatten zusammengehören. 
  • Außerdem brauchen wir aus meiner Sicht die Verbindung zu einer spirituellen Ebene: zu Gott/dem Himmlischen/ egal wie wir es nennen/ zu der Kraft, die über unsere Begrenztheit als Mensch hinausgeht. 
  • In meinen Bildern findet sich daher oft das Symbol der Kugel. Es steht für Licht, Ganzheit, Unendlichkeit und es steht besonders für die himmlische Quelle
  • Die menschlichen Figuren, in meinen Bildern sind oft angedeutet und symbolisieren, das Verbindende zwischen den Menschen, das Aufeinander zugehen, sich begegnen und wahrnehmen. Sie sind auch eine Einladung an die Freude im Leben, das Herz zu öffnen und „mit dem Leben tanzen“, wie Marshall Rosenberg es nennt. (Begründer einer Methode zur Konfliktlösung, um Friedensprozesse und Vergebungsarbeit zu fördern.


Mein Malprozess


  • Bevor ich gleich auf 1, 2 oder 3 Bilder noch näher eingehe, ein paar Worte zu meiner Arbeitsweise:
  • Beim Malen habe ich anfangs keine feste Idee oder fertige Skizze. Das Bild entsteht im Dialog mit der Farbe auf der Leinwand. Ich halte immer wieder inne, nehme Abstand und schaue, was sich mir zeigt. Das braucht Zeit, manchmal Wochen, und Ruhe. Wenn sich das Bild „fertig anfühlt“, höre ich nach Innen und erspüre, welcher  Titel zu diesem Bild passend ist.



Zusammenhang zum Thema Frieden  anhand von drei Bildern (siehe Bildergalerie)

  1. Liebe (Acryl auf Leinwand 90x70)  
  • Sie sehen vorwiegend Gelb- und Goldtöne. Silberne Strukturen scheinen unter  der Farbe durch. Um  die Helligkeit  hervortreten zu lassen brauchte es dunkle  Kontraste. Die Details sind erst beim näher Herantreten erkennbar: Angedeutete menschliche Figuren. Eine Frau in einem afrikanischen Festgewand, eine Gruppe von Menschen im Hintergrund und auf der rechten Seite eine erotische Frauengestalt.
  • Das Bild entstand zu Beginn der Corona-Zeit im Sommer 2020. Da ich Fieber und Husten hatte und Testzentren noch nicht in Betrieb waren, konnte ich an der geplanten Sommerakademie nicht teilnehmen. Bei herrlichem Sommerwetter stellte ich meine Malsachen und einen Liegestuhl in den Garten und malte mit Ruhepausen eine Woche lang draußen. Die Idee war eine Komposition in Gelb. Die afrikanische Frauengestalt sah ich als erstes im Bild. Hintergrund ist die Hochzeit meines angeheirateten Sohnes, mit einer Frau mit afrikanischen Wurzeln. Sie ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Ihre Eltern sind als Paar aus verfeindeten Gruppen - sie ist Hutu und er Tutsi - vor dem Völkermord in Ruanda geflüchtet. 
  • Die afrikanische Frauengestalt in dem Bild verkörpert damit  symbolisch einerseits die Liebe, die mit einer Heirat eine Verbindlichkeit fürs Leben eingeht und über eine flüchtige Verliebtheit hinausgeht. Gleichzeitig verkörpert sie eine Liebe, die Krieg und Vertreibung überwunden hat. Einen Neubeginn einer neuen Generation mit europäischen und afrikanischen Wurzeln. Und mit der Geburt der Kinder, eine weitere Form der Liebe: die der Eltern zu ihren Kindern. Die weiteren Personengruppen können die allgemeine Menschenliebe symbolisieren. Die Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung und Zusammenhalt. 
  • Während Angst, zu Wut und Hass führt, ist die Liebe die Kraft, die zu Heilung und Frieden führt. Es gäbe über die Bedeutung der Liebe für den Frieden viel zu sagen. Wer die Liebe in seinem Leben kennengelernt hat weiß, dass die Liebe mit Güte, Vergebung und eine wohlwollende Sicht auf den göttlichen Kern des geliebten Menschen einhergeht.


2. Verbindung schaffen ( Acryl auf Leinwand 80x100). 

  • Sie sehen oben eine blaue Fläche, die der Himmel sein könnte, unten zwei braune Flächen mit dicken schwarzen Rändern, die eine Schlucht oder einen Abgrund  darstellen könnten. Das Dahinter bleibt diffus. Vielleicht Meer.
  • Um die Kluft zwischen beiden Seiten zu überwinden, ist es wichtig genau  hinzuschauen.  Die Perspektive wechseln,  weg von dem trennenden Abstand, hin zu möglichen Wegen, um an die andere Seite zu kommen. Vielleicht führt der Weg auch erst in die Tiefe und es kann mühsam sein, dann wieder hinaufzusteigen. Und vielleicht sind weite Umwege, vorne lang oder weit hinten herum, nötig. Auf jeden Fall, wenn es wirklich gewollt ist, wird es Wege geben.
  • So wie es bei Konflikten im Leben oft notwendig ist, tiefer hinter die Dinge und in sich selbst hinein zu blicken. Bereitschaft zu haben, das Verbindende zu erkennen sowie das Zusammengehören von Gegensätzen anzuerkennen. 


  • Eine Variante dieses Bildes hatte ich ursprünglich als Seidenmalerei, in zarten türkis-grünen Farben, in meiner ersten Praxis hängen und es verdeutlichte auch, dass man aus einem Tief herauskommen kann. Man muss sich ganz auf jeden Schritt konzentrieren. Und Schritt für Schritt weitergehen, auch wenn noch nicht klar ist, wie der Weg genau weitergeht. Erst wenn man wieder oben ist, hat man den besseren Ausblick.
  • So war es auch bei der Entstehung dieses Bildes, während einer Malwoche mit Sylvia Rose-Krampe. Der erste Versuch der Umsetzung mit Acrylfarbe auf Leinwand war sehr unbefriedigend. Dann habe ich die Idee losgelassen und beim Malen dieses Bildes entstand recht überraschend diese Lösung. Zum Glück sah Sylvia das Bild rechtzeitig und sagte energisch „Stopp! So lassen!“, weil ich selbst noch gar nicht gemerkt hatte, dass es schon jetzt gut ist, genau so wie es ist.



3. Werden (Acryl auf Leinwand 100x140). 

  • Sie sehen in der Diagonalen des Bildes ein etwas diffuses Band, das verschiedene Farben enthält. Der untere Bereich changiert in Grüntönen und ist recht ruhig.  Der obere Bereich, teilt sich noch einmal in einen blauen Bereich mit fein verwischten schwungvollen Strukturen, die an das Spiel von Wolken im Himmel oder die Strukturen von Meeresströmungen erinnern könnten. Darunter befindet sich ein orange-weißer Bereich, der die Anmutung einer sich öffnenden Blüte haben könnte. Es gibt weitere kleine Formen, die sich am oberen Rand abheben und in dem blauen Bereich  entdeckte eine Freundin ein kleines lachendes Gesicht.
  • Dieses großformatige Bild entstand schon vor vielen Jahren, bei einem Wochenendkurs mit Inga Michalovicz.
  • Wo ist hier die Verbindung zum Ausstellungsthema Frieden finden? Hinweise auf eine Antwort gibt der Titel des Bildes „Werden“.  Zeiten des Umbruchs führen oft zur Destabilisierung. Folge sind Ängste und UnzuFRIEDENheit. Die Fähigkeit Gelassenheit und Zuversicht zu bewahren und darauf zu vertrauen, dass am Ende der Werdens etwas Gutes herauskommen kann, ist sehr hilfreich. Manchmal braucht es viel Geduld, bis positive Aussichten sich herauskristallisieren. 


Abschluss:


Ich hoffe, dass ich Ihre Geduld nun nicht zu sehr strapaziert habe und wünsche Ihnen Freude beim näheren Erkunden der Bilder. Falls Sie weitere Fragen haben, oder ein besonderes Interesse an einem Bild, dann können Sie mich im Anschluss gerne ansprechen.

Wenn es mir gelungen ist, mit meinen Bildern diesen Raum zu verschönern, dann freue ich mich. Vielleicht können meine Bilder auch dazu beizutragen, dass die Sitzungen des Rates in einer noch friedlicheren und konstruktiven Atmosphäre stattfinden.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.